Wildbienen

Die etwas anderen Bienen

Bei dem Wort „Bienen“ denken wir sofort an die Honigbiene (Apis mellifera). Sie ist ein weit verbreitetes Haustier, welches seit über 5000 Jahren von den Menschen gezüchtet wird. Die Honigbienen „belohnen“ uns mit ihrem Honig, auch wenn schon viele Bekanntschaft mit ihrem Stachel gemacht haben. 

Es gibt weltweit über 20.000 Wildbienenarten, von denen allein in Bayern über 500 zu finden sind. Die überwiegende Mehrheit der Wildbienen leben einzeln, nur wenige Arten leben sozial. Unter den Wildbienenarten gibt es enorme Größenunterschiede. Während manche Arten nur drei bis vier Millimeter groß werden gibt es andere, die eine Größe von bis zu 30 mm erreichen.

Wildbienen sind auch wichtig für die Bestäubung Nutzpflanzen. Sie bestäuben nämlich effektiver als Honigbienen, weil sie verschiedene Pflanzen (z.B. Kirschbäume) besuchen und so durch Kreuzbestäubung den Fruchtansatz bis zu 150 % erhöhen.

 

Alle Wildbienen sind bei uns besonders geschützt (§44 Bundesnaturschutzgesetz).


Im Folgenden möchte ich Ihnen einige Wildbienenarten vorstellen

(Durch Anklicken lassen sich die Bilder vergrößern)

Frühlings-Seidenbiene (Colletes cunicularius)

Diese Art fliegt früh, von März bis in den Mai. Ihren Namen hat sie aufgrund ihrer Brutzellen erhalten, die mit einem seidenähnlichen Gespinst ausgekleidet sind. Die einzelnen Nester liegen meist in einer Tiefe von ca. 27 cm, oft zu hunderten nebeneinander. Die Nahrung der Frühlings-Seidenbiene besteht vorwiegend aus Pollen von Weiden.


Große Weiden-Sandbiene (Andrena vaga)

Auch diese Wildbienenart fliegt früh im Jahr (etwa von März – Mai). Sie ist zwischen 11 und 15 mm groß.

Die Einzelnester der Großen Weiden-Sandbiene finden sich oft in großen Kolonien mit bis zu 10.000 einzelnen Nestern. Ihre Nahrung finden sie ausschließlich an Weiden.


Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta)

Die Gehörnte Mauerbiene fliegt von März bis Mai. Sie erreicht eine Größe von 10 bis 15 mm. Dank ihrer schwarz-roten Färbung und dem gehörnten Kopfschild der Weibchen (linkes Bild) ist sie leicht zu bestimmen.

Gehörnte Mauerbienen nisten in vorhandenen Hohlräumen (z.B. Mauerritzen, Felsspalten). Auch angebotene Nisthilfen, wie auf unserem Balkon (rechtes Bild), werden gerne angenommen.

Diese Wildbienenart ernährt sich polyektisch, also von Pollen vieler Pflanzenarten.


Knautien-Sandbiene (Andrena hattorfiana)

Sie fliegt von April bis Mai und ist zwischen 13 und 16 mm groß. Diese Art ist aufgrund ihrer prägnanten Färbung (der rot gefärbten Basis des Hinterleibes) sowie dem Besuch ihrer Hauptnahrungsquelle, der Acker-Witwenblume (Knautia arvensis), leicht bestimmbar. Das rechte Bild zeigt ein Männchen mit dem typisch weißen Kopfschild. Die Nester der Knautien-Sandbiene sind sehr schwer zu finden und wurden erstmals im Jahre 2004 entdeckt. Sie liegen oft unter Blattrosetten versteckt.


Mohnbiene (Osmia papaveris)

Die Flugzeit der Mohnbiene geht von Juni bis August. Diese Biene erreicht eine Größe von 8 bis 11 mm. Bei dieser Bienenart handelt es sich um eine der seltensten Wildbienenarten bei uns in Bayern. Das besondere und auch das namensgebende Merkmal ist, dass sie ihre Nester mit den Blütenblättern von Mohn auskleidet. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Blütenblätter des Mohns antibiotisch wirken und somit die Brut schützen.


Rote Ehrenpreis-Sandbiene (Andrena labiata)

Diese Biene fliegt von April bis Juni. Sie ist etwa 10 bis 12 mm groß. Bei der Roten Ehrenpreis-Sandbiene handelt es sich um eine weit verbreitete und häufige Wildbienenart.

Durch die beiden rötlichen Segmente (Tergite) in der Mitte ihres Hinterleibes ist sie gut zu bestimmen. Sie besucht viele Unterarten von insgesamt sieben Pflanzenfamilien, darunter auch den namensgebenden Gamander-Ehrenpreis (Veronika chamedrys).


Blaue Ehrenpreis-Sandbiene (Andrena viridescens)

Mit einer Größe von nur 6 bis 8 mm ist es eine recht kleine Biene. Ihre Flugzeit ist von April bis Juni. Wie die Rote Ehrenpreis-Sandbiene findet man die Blaue Ehrenpreis-Sandbiene ebenfalls bevorzugt am Gamander-Ehrenpreis (Veronica chamedrys).


Blauschwarze Holzbiene (Xylocopa violacea)

Die Blauschwarze Holzbiene fliegt zwischen März und Oktober. Mit einer Größe von bis zu 28 mm ist sie unsere größte Wildbiene. Schon das laute Fluggeräusch lässt sie erkennen. Diese Wildbienenart nagt ihre Nester in Totholz, wo man die Löcher gut entdecken kann.


Löcherbiene (Herides sp.)

Die Löcherbiene fliegt von Juni bis September. Sie erreicht eine Größe von 6 bis 8 mm. Im Gegensatz zur Blauschwarzen Holzbiene handelt es sich bei der Löcherbiene um eine eine sehr kleine Biene. Die Nahrungspflanzen der Löcherbiene sind Korbblütler, bevorzugt Flockenblumen und Disteln. Löcherbienen bauen ihre Nester gerne in Käferfraßgängen und nehmen auch Nisthilfen (wie auf dem Bild) an. 


Braunbürstige Hosenbiene (Dasypoda hirtipes)

Die Flugzeit der Braunbürstigen Hosenbiene dauert von Juli bis September an. Diese Wildbiene wird zwischen 11 und 15 mm groß. Die Braunbürstigen Hosenbiene ist eine weit verbreitete Art und ist in Sandgebieten (wie bei uns in Mittelfranken) recht häufig zu finden. Sie besucht bevorzugt Korbblütler, wie beispielsweise Habichtskräuter, die Wegwarte, die Wiesen-Flockenblume usw.

Diese Wildbienenart baut ihre Nester im Boden in einer Tiefe bis zu 60 cm. Auf den drei Bildern kann man gut die namensgebenden „Hosen“ erkennen.


Furchenbiene (Halictus sp.)

Sie fliegt von März bis Oktober und erreicht eine Größe von 4 bis hin zu 15 mm. Ihren Namen hat diese Art aufgrund der Furche auf dem letzten Segment des Hinterleibes der Weibchen (rechtes Bild) erhalten. Die Furchenbiene besucht viele Pflanzenarten, darunter auch Korbblütler, wie die Nickende Distel (Carduus nutans) (linkes Bild).


Zum Ende des Beitrages zeige ich noch zwei Arten von Schmarotzern

Rothaarige Wespenbiene (Nomada lathburiana)

Diese Biene parasitiert bei verschiedenen Sandbienen und wird zwischen 9 und 13 mm groß. Sie fliegt von März bis August. Die Rothaarige Wespenbiene sehe ich immer, wenn ich bei uns Sandbienen fotografiere. Sie wartet bis die Sandbiene ihre Brutröhre verlässt und legt dann ihr Ei in die verlassene Brutröhre.


Großer Wollschweber (Bombylus major)

Auch dieses Insekt ist ein Parasit. Das Weibchen des Großen Wollschwebers wirft seine Eier in der Nähe von den Eingängen von Sandbienen- Brutröhren ab. Die schlüpfenden Larven wandern dann in die Nester und ernähren sich vom Proviant der Sandbienen und letztendlich auch von deren Bienenbrut.


Ich hoffe, dass Ihnen der kleine Ausflug in die Welt der Wildbienen gefallen hat und Ihr Interesse an diesen wundervollen Insekten geweckt hat. Alle Aufnahmen habe ich selbst fotografiert und ich freue mich schon auf die kommenden Zeiten wenn die Bienen wieder fliegen.

 

Ihr Uli Knapp, 2.Vorsitzender der AGNA

Share by: