Fachbeiträge

                               voneinander lernen in Theoorie und Praxis

Liebe Naturschützer, falls Ihr auch  Erfahrungsberichte und Fachbeiträge habt, die für andere Naturschutzwächter hilfreich sind, lasst es uns wissen (s.Kontakt) und wir veröffentlichen diese gerne. 

Natur als Kompost ?

 

Servus Kollegen/innen

 

in meinem Bezirk in BGL habe ich immer wieder das Problem von Grünschnittablagerungen in der freien Natur. Geländebedingt ist mein Gebiet  an den Berchtesgadener Alpen durchzogen von Steilhängen, Gräben und Schluchten, manche sind sogar als Naturdenkmal bezeichnet.

Diese "optimalen " Bedingungen werden von den angrenzenden Grundeigentümern bevorzugt zum abkippen/ablagern ihres Grün - und Heckenscnhnitts missbraucht, meistens mit dem Argument,

es handele sich ja um ihr eigenes Grundstück und schliesslich ist es ja natürlicher, organischer Abfall der kompostiert.

Die Folgen sind nur zu deutlich zuerkennen, überall Springkraut und andere Neophyten.

 

In Zusammenarbeit mit der UNB habe ich ein Infoblatt erstellt, das ich bei Gelegenheit den entsprechenden Menschen gerne aushändige. 

Vielleicht hat der eine oder andere von Euch ähnliche Probleme, gerne könnt ihr den untenstehenden Text runterladen und auf Eure Verhältnisse anpassen.

Bitte sprecht aber mit Eurer UNB, ob ihr das auch in deren Namen verteilen dürft.

 

Bei Fragen gerne an 

Michael Stahl

mexiko@hotmail.com

 

Liebe Bürger, Hobbygärtner und Naturfreunde

 

Wir alle lieben unsere heimische Natur, ihre Flora und Fauna, sie ist die Garantie für unsere Gesundheit, Wohlbefinden und nicht zu vergessen eine tragende Säule für den erfolgreichen Tourismus im Berchtesgadener Land.

Aus gegebenem Anlass möchte ich Sie auf eine Verordnung des Abfallwirtschaftsamtes des LRA BGL und des BayNatSchG hinweisen,  nach denen es nicht erlaubt ist, organische Ablagerungen wild zu kompostieren. Ganz besonders gilt dies im Bereich von kartierten Biotopen, welche in ihrem natürlichen Zustand nicht gefährdet oder beeinträchtigt werden dürfen.

Dies gilt übrigens auch, wenn sich die Fläche auf Ihrem eigenen Grundstück befindet.

Warum ist das so?

Durch die Ablagerung von organischen Abfällen und Grünschnitt kommt es zu einer Zersetzung und Vergärung, dies führt zu einem unnatürlichen und unkontrollierten Nährstoffeintrag in den Boden bzw. in das Grundwasser.

Die Folge ist eine schnelle Verbreitung von invasiven Arten wie Staudenknöterich und Springkraut.

Diese Pflanzen benötigen lockere unverdichtete Böden (man kann sie leicht ausreißen) mit hohem und schnell verfügbarem Nährstoffgehalt, idealerweise wilde Komposthaufen. Sie wachsen so schnell, dass heimische Blühpflanzen, die meist magere Böden brauchen, keine Chance haben und immer mehr verdrängt werden. Mit ihnen verschwindet ebenso die davon abhängige Insektenwelt.

Springkraut ist übrigens für Honigbienen völlig wertlos, da sie nicht in die Blüte schlüpfen können.

Achten sie mal bei Ihrem nächsten Spaziergang darauf, wo sich diese Pflanzen ansiedeln und sie werden feststellen, dass es meistens immer ähnliche Stellen sind. Stellen Sie sich vor, wie unsere Natur in ein paar Jahren aussieht, wenn alle Wegränder nur noch mit zwei Arten gesäumt sind.

Wilde Grünschnittablagerungen befinden sich sehr oft auch an Hanglagen und Böschungen.

Gerade hier kann es durch die lockere Aufschüttung bei starken Regenfällen, wie wir sie leider in Zukunft zu erwarten haben, zur Abschwemmung in tiefere Lagen oder gar Bäche kommen.

Die Folge ist ein unkontrollierter und erschwerter Hochwasserabfluss durch die ganzen Pflanzenreste, die von allen Seiten eingeschwemmt werden.

Selbstverständlich dürfen Sie Ihre organischen Abfälle selbst kompostieren und das ist auch ausdrücklich erwünscht, aber dazu beachten Sie bitte ein paar Regeln. Sie brauchen einen entsprechend großen Platz, der sich nicht direkt an einem Fließgewässer, einer Quelle oder Biotop befindet (s.Abfallzeitung BGL), es sollte Ihr eigenes Grundstück sein und kompostiert werden darf nur auf dem Grundstück, auf dem die pflanzlichen Abfälle angefallen sind.

Ansonsten dürfen Sie Ihren gesamten Grünschnitt gerne kostenlos beim entsprechenden gemeindeeigenen Häckselplatz entsorgen. Wenden Sie sich bei Fragen an das Amt für Abfallwirtschaft oder die untere Naturschutzbehörde beim LRA.

Tragen Sie durch eigenverantwortliches Handeln zum Wohl aller und unserer geschätzten Natur bei!

Vielen Dank!

Ihr Michael Stahl  - Naturschutzwächter für das LRA - BGL

Neophyten

 

Die rechts angebildete Pflanze sieht zwar schön aus, doch das Indische Springkraut (und nicht nur dieses) stellt eine große Gefahr für die heimische Pflanzenwelt dar. Wenn wir nach all den Jahren des Aussitzens und Stillhaltens jetzt nicht handeln, müssen wir wegen der aggressiv auftretenden Neueinwandererpflanzen (“invasive Neophyten”) bald auch die letzten Rückzugsgebiete seltener heimischer Flora verloren geben.

Wir leben in einer globalisierten Welt, in der auch Veränderungen der Tier- und Pflanzenwelt immer schneller stattfinden. Auch wir können das Rad der Entwicklung nicht zurückdrehen, und selbst durch noch so viele Helfer wird es uns nicht gelingen, die Neophyten ganz zu beseitigen, wir wollen aber dennoch versuchen, der Vegetation eine Chance zu geben, deren Schutz wir immer auf unsere Fahnen geschrieben haben. Deshalb hat die AGNA vom 3.-7. Juli 2006 erstmals zu einer bayernweiten Aktionswoche gegen invasive Neophyten aufgerufen.

 

Die personellen Ressourcen der hauptamtlichen Mitarbeiter sind - ebenso wie die finanziellen Möglichkeiten der Fachbehörden - begrenzt.
Die Naturschutzwacht ist deshalb durch ihre Ortskenntnis und durch die Kenntnis der Menschen und Vereine vor Ort prädestiniert, lokale Bündnisse zu organisieren.
Die AGNA sieht die folgende Strategie als Lösungsansatz:



1. Monitoring durch Kartierung der Vorkommen


2. Meldung der Erstbesiedelung durch invasive Neophyten an die Untere Naturschutzbehörde, die ihrerseits den Grundstückseigentümer zur Beseitigung auffordert. Alternativ: Kleinvorkommen gleich selbst (und fachlich richtig) beseitigen.


3. Bei flächendeckendem Befall eine Grenze ziehen, die die Neophyten nicht überschreiten dürfen (“Containment”).


4. Lokale Bündnisse schmieden (Naturschutzverbände, Obst- und Gartenbauvereine, Fischereivereine etc.)


5. Sensibilisierung der breiten Bevölkerung durch Öffentlichkeit (Pressearbeit - Beispiel für örtliche Pressemitteilung)



Ottobeuren-Life-Neophyten.doc
Microsoft Word-Dokument [29.5 KB]

Praktische Erfahrungen hat die Naturschutzwacht im Unterallgäu 2005 gesammelt. Von Juli bis Ende Oktober wurden 10.000de Pflanzen Springkraut ausgerissen, Goldrute mehrmals niedergemäht und Riesenbärenklau abgeschnitten. Das Vorgehen gegen invasive Neophyten erfordert einen langen Atem.
Unsere praktischen Erfahrungen werden wir an dieser Stelle weitergeben.


Es sieht im “Jahr danach” tatsächlich ganz gut aus.

Grob geschätzt kommen nach der Unterdrückung eines gesamten Jahrganges des Ind. Springkrauts nurmehr 10-20%, die Pflanze ist also beherrschbar!

Wichtig sind monatliche Kontrollgänge von Juli bis Oktober. Bei der Goldrute ist mehrmaliges Mähen über ein paar Jahre oder (bei kleinflächigen Vorkommen) das Abdecken mit Folie am effektivsten. Auf mageren Böden hat die heimische Vegetation eine Chance, sich gegen die Einwanderer durchzusetzen.

Sachalin-Knöterich 

Die Entfernung der oberirdischen Pflanzenteile an der abgebildeten Stelle war aufgrund der dicken Stängel nur mit Gartenschere möglich und dauerte ca. 30 Min.

In den Folgejahren muss ein Aufwachsen konsequent verhindert werden.



Vom Sachalin-Knöterich hier eine Nahaufnahme.

Er unterscheidet sich vom Japan. Knöterich durch deutlich größere Blätter.

 

 

 

Topinambur 

Umfrageergebnis
LRA_Beteiligte_05-2006.xls
Microsoft Excel-Dokument [42.5 KB]
Originalfragebogen
Formular_Neophytenbefall.doc
Microsoft Word-Dokument [128.0 KB]
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© Claus Wittmann